1. Informationen zum Thema
Alkohol
2. Alkohol am Arbeitsplatz:
Ein vielschichtiges Thema
4. Alkoholpräventionsprogramm
im Unternehmen
5. Intervention bei Auffälligkeiten
im Arbeits- und Leistungsverhalten
1. Informationen zum Thema Alkohol
Was ist ein massvoller
Alkoholkonsum?
Von einem massvollen, risikoarmen Alkoholkonsum spricht man bei
einem Konsum von nicht mehr als zwei Standardgläsern pro Tag bei
Männern und nicht mehr als einem Standardglas pro Tag bei Frauen.
Dieser Richtwert gilt für gesunde erwachsene Personen. Ein Konsum
gilt dann als risikoarm, wenn die Person nicht nur mit Mass, sondern
auch der Situation angepasst trinkt.
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Stimmt es, dass
Frauen Alkohol weniger gut vertragen als Männer?
Ja. Frauen haben in der Regel mehr Körperfett und weniger Körperwasser
als Männer. Alkohol löst und verteilt sich in Wasser besser als
in Fett. Bei gleichem Körpergewicht und dem Konsum gleicher Mengen
Alkohol ist die Blutalkoholkonzentration der Frau somit höher als
diejenige des Mannes. Zudem bauen Frauen Alkohol langsamer ab, da
sie über eine geringere Menge alkoholabbauender Enzyme verfügen.
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Wie kann ich wissen,
ob jemand alkoholabhängig ist?
Anzeichen für eine Alkoholabhängigkeit sind: Nicht mehr auf Alkohol
verzichten können, den Konsum nicht mehr kontrollieren können, steigende
Konsummenge (Toleranzbildung), Entzugssymptome beim Absetzen oder
Reduzieren des Konsums, Vernachlässigung anderer Interessen, Weitertrinken
trotz schädlicher Folgen. Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit,
die nur von einer spezialisierten Fachperson diagnostiziert werden
kann.
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Warum fällt es alkoholabhängigen
Personen so schwer, ihre Abhängigkeit einzugestehen?
Personen, die Probleme mit ihrem Alkoholkonsum haben, leugnen diese
häufig. Sie sind der festen Überzeugung, ihr Konsumverhalten unterscheide
sich nicht von dem anderer Personen, und glauben, jederzeit mit
dem Trinken aufhören zu können, wenn sie es nur wollten. Es handelt
sich beim Leugnen um einen Abwehrmechanismus, der dazu dient, Distanz
zu schaffen zu einer schwer akzeptierbaren Tatsache: der Tatsache,
abhängig zu sein.
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Was versteht man unter
Co-Abhängigkeit?
Co-Abhängigkeit ist ein Bündel von Verhaltensweisen und Reaktionen,
mit denen Nahestehende der abhängigen Person helfen möchten, die
jedoch schliesslich dazu führen, dass die Nahestehenden selbst krank
werden, ohne dass sich die Situation nachhaltig verbessert.
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2. Alkohol am Arbeitsplatz: Ein vielschichtiges Thema
Welches sind die wichtigsten
negativen Auswirkungen von Alkoholkonsum am Arbeitsplatz?
Alkoholbedingte Probleme am Arbeitsplatz verursachen beträchtliche
wirtschaftliche Kosten für das Unternehmen: Absentismus, Produktivitätsverlust,
mangelnde Zuverlässigkeit, Risiken für die Gesundheit etc. wirken
sich negativ auf die Betriebskosten aus.
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Gibt es viele alkoholbedingte
Arbeitsunfälle?
Verschiedenen internationalen Studien und Untersuchungen zufolge
spielt Alkohol bei ca. 15 bis 25% der Arbeitsunfälle eine Rolle.
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Gibt es Berufe oder
Arbeitskontexte, in denen mehr Alkohol konsumiert wird?
Folgende Arbeitsbedingungen können Alkoholkonsum am Arbeitsplatz
begünstigen: Häufiger Kontakt zu Klientinnen und Klienten, Einzelarbeitsplätze,
Nachtarbeit, schwere körperliche Arbeit.
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Gibt es eine Erklärung
dafür, warum jemand alkoholabhängig wird und am Arbeitsplatz Alkohol
trinkt?
Auf diese Frage gibt es keine einfache und allgemein gültige Antwort.
Faktoren wie familiäre Probleme, die genetische Disposition, ungünstige
Verhältnisse in der Kindheit oder Stress bei der Arbeit können Gründe
dafür sein, dass jemand am Arbeitsplatz Alkohol konsumiert.
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Gibt es einen Zusammenhang
zwischen Stress und Alkoholkonsum am Arbeitsplatz?
Mit der Arbeit verbundene Stressfaktoren können zu einem problematischen
Konsumverhalten am Arbeitsplatz beitragen. Mit Stress allein lässt
sich ein problematischer Konsum jedoch nicht erklären.
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3. Gesetze
Gibt es ein Gesetz,
das Alkoholkonsum am Arbeitsplatz verbietet?
Es gibt kein Bundesgesetz, das den Alkoholkonsum am Arbeitsplatz
verbietet, aber es gibt einen Gesetzesartikel, der es der Arbeitgeberin/dem
Arbeitgeber erlaubt, eine Vorschrift zum Verbot oder zur Einschränkung
des Konsums zu machen. Die Zahl der Unternehmen, die aus Sicherheitsgründen
und zur Vorbeugung von Berufsunfällen und –krankheiten interne Vorschriften
bezüglich Alkoholkonsum einführen, nimmt stetig zu.
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Darf bei Verdacht auf
Alkoholisierung von der betreffenden Mitarbeiterin/dem betreffenden
Mitarbeiter ein Atemtest verlangt werden?
Da Arbeitgebende bei Unfällen am Arbeitsplatz zunehmend zur Verantwortung
gezogen werden, können sich Vorgesetzte veranlasst sehen, Alkoholtests
durchzuführen. Solche Tests sind mit dem Persönlichkeitsschutz jedoch
nicht vereinbar. Damit ein Test durchgeführt werden kann, braucht
es entweder das Einverständnis der betroffenen Person oder eine
entsprechende Bestimmung im Betriebsreglement. In jedem Fall dürfen
solche Tests nur in Betracht gezogen werden, wenn ein tatsächliches
Sicherheitsrisiko besteht.
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Welche Verantwortung
tragen Vorgesetzte und Arbeitgeber im Falle eines alkoholbedingten
Unfalls eines Mitarbeiters/einer Mitarbeiterin?
Im Falle eines alkoholbedingten Arbeitsunfalls können Arbeitgeber/-innen
und direkte Vorgesetzte zur Rechenschaft gezogen werden, insbesondere
dann, wenn sie nicht alles unternommen haben, um solche Unfälle
zu verhindern. Der Arbeitgeber kann bei einem Unfall zivil- wie
strafrechtlich belangt werden. Auch direkte Vorgesetzte können strafrechtlich
belangt werden, wenn eine Unterlassung ihrerseits den Arbeitsunfall
begünstigt hat.
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Darf eine alkoholkranke
Person entlassen werden?
Eine Kündigung wegen Alkoholproblemen gilt als missbräuchliche Kündigung.
Hingegen kann jemand entlassen werden, wenn seine Arbeitsleistungen
nicht mehr den Vorgaben des Pflichtenhefts entsprechen.
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Welche Verantwortung
hat die Arbeitgeberin/der Arbeitgeber bei Aperos und Personalfesten?
Viele Unternehmen sind heute darauf bedacht, an Aperos übermässigem
Konsum vorzubeugen und auch nichtalkoholische Getränke anzubieten.
Bei intern oder extern durchgeführten Personalfesten treffen viele
Unternehmen Massnahmen, um auch Mitarbeitenden, die viel Alkohol
getrunken haben, eine sichere Heimkehr zu ermöglichen.
Die aktuelle gerichtliche Praxis zeigt indessen, dass Unternehmen
bei einem alkoholbedingten Unfall nach Verlassen des Arbeitsplatzes
oder eines Personalfests eher nicht zur Verantwortung gezogen werden.
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4. Alkoholpräventionsprogramm im Unternehmen
Was bringt die Einführung
eines betrieblichen Alkoholpräventionsprogramms?
Es gibt mindestens fünf gute Gründe für die Einführung eines betrieblichen
Alkoholpräventionsprogramms: die Reduktion verdeckter Kosten, die
Erhöhung der Arbeitssicherheit, die Anwendung des Gesetzes zum Schutz
der Gesundheit der Mitarbeitenden, die Verbesserung des Arbeitsklimas
und das Wahrnehmen sozialer und ethischer Verantwortung.
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Was muss bei der Einführung
eines Alkoholpräventionsprogramms beachtet werden?
Bei der Erarbeitung eines Alkoholpräventionsprogramms ist es wichtig,
das berufliche Umfeld, die Geschichte und die Kultur des Unternehmens
zu berücksichtigen. Damit das Präventionsprogramm Wirkung zeigt,
sollten die Verantwortlichen sich die Unterstützung möglichst vieler
Mitarbeitendenden sichern.
Selbst wenn ein Präventionsprogramm viele Vorteile hat (Sicherheit,
Kohärenz, Verantwortung der Arbeitgeberin/des Arbeitgebers, Transparenz
der Massnahmen), ist mit Widerstand zu rechnen. Damit Unternehmen
diesen und anderen Schwierigkeiten begegnen können, hat die SFA
einen Leitfaden zusammengestellt.
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5. Intervention bei Auffälligkeiten im Arbeitsverhalten und Leistung
Soll man als Vorgesetzte/-r
bei Verdacht auf Alkoholisierung reagieren?
Vorgesetzte haben aufgrund ihrer Funktion die Pflicht, im Interesse
der Sicherheit zu intervenieren, wenn der Verdacht besteht, dass
eine/-r der Mitarbeitenden unter Alkoholeinfluss steht. Grund der
Intervention ist die Arbeitsunfähigkeit des/der Mitarbeitenden,
nicht der Alkoholkonsum an sich.
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Weshalb ist es nach
wie vor schwierig, über Alkoholkonsum am Arbeitsplatz zu sprechen?
Übermässiger Alkoholkonsum, insbesondere am Arbeitsplatz, bleibt
ein Tabuthema. Vorgesetzte haben häufig das Gefühl, die Privatsphäre
des Gegenübers zu verletzen, wenn sie das Thema ansprechen. Die
Betroffenen selbst sind oft der Ansicht, sie hätten kein Problem.
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Was versteht man unter
Co-Abhängigkeit am Arbeitsplatz?
Co-Abhängigkeit am Arbeitsplatz kann verschiedene Formen annehmen:
Sympathie oder Empathie der Mitarbeitenden gegenüber der betroffenen
Person; Anpassung an ihr problematisches Verhalten; unreflektiertes
Akzeptieren der Situation; Verheimlichen von Fehlern der betroffenen
Person; Beschützen und schliesslich „Gesetz des Schweigens“.
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Wie kann man Fehler
vermeiden, wenn man Auffälligkeiten ansprechen will?
Um zu vermeiden, dass die betroffene Person eine Abwehrhaltung einnimmt,
sollte man vermeintlich eindeutige körperliche Anzeichen eines Alkoholproblems
wie Alkoholgeruch, rote Augen, Zittern usw. nicht ansprechen.
Stattdessen sollte man sich auf Auffälligkeiten auf der beruflichen
Ebene konzentrieren, die man über einen gewissen Zeitraum hinweg
beobachtet hat. Gemeint sind konkrete Veränderungen in Arbeitsverhalten
und Leistung.
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Auf welche Auffälligkeiten
im Arbeitsverhalten kann man sich stützen?
Die Auffälligkeiten im Arbeitsverhalten können die Fehlzeiten, aber auch die Arbeitsqualität und -leistung, das Verhalten oder das Erscheinungsbild betreffen.
Es ist jedoch Vorsicht geboten. Auffälligkeiten im Arbeitsverhalten
müssen nicht unbedingt mit einem problematischem Alkoholkonsum in
Verbindung stehen. Sie können auch Anzeichen anderer Schwierigkeiten
sein, zum Beispiel einer Krankheit oder familiärer bzw. persönlicher
Probleme. Aber auch in diesem Fall werden die Veränderungen zu einem
Problem auf der beruflichen Ebene, wenn sie während längerer Zeit
fortdauern.
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